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HOCHDRUCK/dreharbeiten

 

Hörspiel

„hochdruck/dreharbeiten“ basiert auf der Idee einer peripheren Bewegung durch städtisches Gebiet, entlang einer Linie, die ins geographische Zentrum Berlins führt. Denn diese Stadt ist besonders lesbar über ihre neuralgischen Konfliktlinien von Zentrum und Peripherie in mehrfacher Hinsicht. Der Text möchte dieser Idee der Stadt in formaler Hinsicht antworten. Seine Protagonisten sind Bestandteile des Raums, seien es Büsche, seien es Glasscheiben oder Wortfetzen. Rhythmen. (martin conrads)

 

 

Beteiligte

 

Autorin/Sprecherin: Kathrin Röggla

Regie/Realisation: Martin Conrads, Ulrich Gutmair, Stefan Schreck

Musik: Chris Flor

Produktion: Bayerischer Rundfunk 1999

Ursendung am 13.1.1999 auf Bayern 2 Radio

 

 

Auszüge aus „hochdruck/dreharbeiten“:

 

 

niederschöneweide

 

...ist eben auf sand gesetzt, die landschaft, bricht nicht gerade in bestzeiten auf, ist eben auf sand gesetzt, sagt man, selbst botenstoffe bleiben stehen in der luft geht nichts weiter, was die übertragungsrate betrifft, sagtman: plattenbau, wo sonst nichts wächst.

dabei ist hier längst westen, und bushaltestelle um bushaltestelle der privatblick der menschen geht auf nummer sicher, im prinzip die ganze laufkundschaft, die die gegend hergibt, oder doch osten, wo sich so manches zweiteilt, wo im kreuzworträtsel steckenbleibt der rest -

 

jedenfalls materialermüdung durch und durch, überall bleibt etwas kleben, hörreste, sehreste, man muß eben zusehen, daß man weiterkommt, man muß zusehen, daß man fortfährt,

 

denn jetzt ist glatt eine fensterscheibe zerbrochen wie ein mensch, und wird stolpern drüber das gras in jahreszeiten, der rest der pflanzen aber hat alle hände voll zu tun, oder wird man wieder beobachten können wie gänseblümchen aus der haut fahren, oder wird man

 

 

AEG: schnellerstraße - adlergestell

 

, nur einen steinwurf davon entfernt schon das kaufhaus zögert nicht, einen schritt weiterzugehen, kleine gesten auch von seiten des parkhauses, das macht stufenlos liebe mit der welt und läßt nichts übrig für den rest der gegend, "doch man ist ja kein sportplatz, der still stehen bleibt, wenn es nottut."

 

 

plänterwald - dammweg

 

danach: direkttiere von links nach rechts tauchen auf, gehen rasch vorüber, das ist die dämmerung, hustling around, "das sind wir" - "aber nein!"

„ja, ja, immer hübsch auf die seite gedrängt." - "psssssssst!"

schwillt alles an, geht vorüber -

und wie einem das gesicht wird zum gewicht, und die mitte sieht man nicht: "die mitte trifft man nie bei den tieren, das geht immer daneben". peinliche stille kann unter ihnen jedenfalls nicht so schnell entstehen, sie stehen nicht so herum, sie gehen immer weiter, sie sind angestellt bei sich selbst. "nur bei uns braucht das training."

 

und nachher: bleibt es dabei, optisch wie immer, privatgrün, stellenweise garageneinfahrten, nicht nachzuahmen, vatertag! und wir: gelber blühen, das muß doch zu schaffen sein. "schnell, bevor der regen?" - "aber hallo!" selber blühen: tiere im teppich gesehen, musterbeispiele. mikrokosmos, "sternhagelvoll". - "muß doch zu schaffen sein."

 

(In: Irres Wetter. Salzburg, Wien: Residenz Verlag, 2000)

 
  © kathrin röggla / realisation: flamme rouge gmbh / nach oben